Hermeneutik

1. Allgemeine Beschreibung

Unter Hermeneutik versteht man allgemein die Praxis der Auslegung (Interpretation), die zum Verstehen führt, bzw. die Theorie der Auslegung, wenn die Bedingungen und Normen des verstehenden und kommunikativen Handelns philosophisch reflektiert werden. Hermeneutik als Kunst der Auslegung war zu Beginn der frühen Neuzeit überwiegend anzutreffen, erst mit dem 17. Jahrhundert entwickeln sich erste Theorien der Auslegung, welche im 19. Jahrhundert mit den Entwürfen Schleiermachers oder Droysen und Dilthey zum Abschluss kommen. In engem Zusammenhang mit den hermeneutischen Auslegungstheorien ist der Historismus z.B. Droysens zu sehen, der von einem relativen Sinn der Geschichte aus Sicht des je und je verschiedenen, unvergleichbaren und individuellen Geschehens ausging; diese Position wurde jedoch auch innerhalb der Hermeneutik z.B. bei Gadamer (1900-2002) durch kritische Reflexion der Geltungsansprüche historischer Aussagen, kritisiert. Als philosophische Hermeneutik ist die spezielle hermeneutische, theoretische wie praktische, Bezugnahme auf philosophische Texte zu verstehen. Davon unterschieden wird die hermeneutische Philosophie, welche sich als Grundlagenreflexion versteht, die nach den Bedingungen der Möglichkeit des Verstehens und der Verständigung im Reden und Handeln überhaupt fragt. Diese Richtung ist nicht nur (deskriptiv) an der Dokumentation einer historischen Meinungsäußerung interessiert, sondern sucht die theoretischen wie praktischen Geltungsansprüche philosophischer Aussagen kritisch zu prüfen. Als Gründer der hermeneutischen Philosophie kann der von Heidegger ausgehende Hans Georg Gadamer (1900-2002) gelten, aber auch Karl Otto Apelt (1922) und die diskurstheoretischen Entwürfe von Jürgen Habermas (1929) sind grundsätzlich dieser Richtung zuzurechnen. Im Gegensatz zur klassischen Transzendentalphilosophie, die das Wissen bzw. das Bewusstsein zentral stellt, geht die hermeneutische Philosophie von der Sprache als grundlegendem Medium des Denkens aus. Dadurch kommt freilich ein faktisches, quasi-empirisches Element in die Voraussetzungen der hermeneutischen Philosophie, durch welches der Grad möglicher Selbstreflektiertheit bzw. Selbstbegründetheit letztlich bei faktischen sprachlichen Wissensvollzügen stehen bleibt.

2. Ansätze und Positionen der Transzendentalphilosophie

Transzendentalphilosophische Konzeptionen von Kant, aber und vor allem von Fichte (1762-1814), vermögen auf Basis eines zugrundeliegenden Bewusstseinsbegriffs, der weniger als wirkliches Bewusstsein, sondern vielmehr als transfaktischer Ermöglichungsraum von wirklichem Wissen überhaupt verstanden werden muss, faktische Wissensvollzüge noch genetisch abzuleiten.

3. Offene Diskussionen, Problempunkte, Dilemmata und Desiderate