Ethik

1. Allgemeine Beschreibung

Die Ethik bildet neben Naturphilosophie (urspr. Physik) und Logik eine der drei klassischen Hauptdisziplinen der Philosophie. Zunächst bedeutet Ethik die Lehre von der Moral im handlungsleitenden Sinne von Sitten und Gebräuchen, Gewohnheit und Institutionen. Die Grundfrage der Ethik ist die Frage nach den Bedingungen eines guten und gelingenden bzw. glückseligen Lebens. Sokrates (469-399), Platon (427-347) und Aristoteles (384-322) gelten als die ersten Vertreter. Wenn im Mittelalter und noch bis zu Descartes (1596-1650), Spinoza (1632-1677) und Leibniz (1646-1716) Spielarten ontologischer und theonomischer Ansätze vertreten wurden, um das Leben des Menschen normativ zu begründen, haben sich vor allem seit Kant (1724-1804) deontische Ethiktheorien durchgesetzt, die auf dem Prinzip der Autonomie beruhen. Ebenso wirkmächtig sind konsequentialistische Ethiktheorien, die auf dem Prinzip rationaler Nutzenabwägungen (Utilitarismus) beispielsweise bei Bentham (1748-1832) und Mill (1806-1873) beruhen. Ein eigenständiger Ansatz bildet die materiale Wertethik zu Beginn des 20. Jahrhundert bei Max Scheler (1874-1928).

2. Ansätze und Positionen der Transzendentalphilosophie

Ein Konsens über die Begründung der Ethik ist nicht feststellbar, jedoch setzt sich zusehends die Einsicht durch, dass der transzendentale Ansatz von Kant (1724-1804), indem er in den letzten Jahren von vielen Vorurteilen wie dem Rigorismus-Vorwurf und dem Vorwurf der Sinnlichkeitsfeindlichkeit befreit wurde, es auf argumentativem Niveau mit modernen Ansätzen z.B. von Philippa Foot (1920), Bernard Williams (1929-2003) oder auch Habermas (1929) aufnehmen kann, da diese Positionen meist sogar die viel basaleren Bestimmungen Kants voraussetzen, um überhaupt mit so etwas wie Normativität, d.h. das Seinsollen von etwas, operieren zu können. Begründungstheoretisch grundsätzlicher als Kant, ohne die Absolutheit des Sollens deskriptiv zu verwischen, ist der in ein bewusstseinsphilosophisches Begründungsprogramm integrierte Ansatz Fichtes (1762-1814) einzuschätzen.

3. Offene Diskussionen, Problempunkte, Dilemmata und Desiderate