Metaphysik

1. Allgemeine Beschreibung

Unter Metaphysik versteht man gewöhnlich einen großen Teil der traditionellen europäischen Philosophie. Die Metaphysik in diesem Sinn strebte eine rationale, d.h. eine ebenso systematische wie vollständige Erklärung der Wirklichkeit an. Ein einheitlicher Gebrauch von Metaphysik lässt sich heute nicht mehr feststellen, unter anderem auch deshalb, weil Metaphysik zur abwertenden Kennzeichnung gegnerischer Positionen gebraucht wurde und wird.

Mit Blick auf die historische Entwicklung lassen sich aber drei Gruppen unterscheiden: Neben den ontologischen Ansätzen werden mittlerweile ebenso logische und sprachphilosophische Untersuchungen als Metaphysik bezeichnet. Diese der traditionellen Metaphysik gegenüber skeptischen und metaphysikkritischen Ansätze haben ihren Ausgangspunkt im Nominalismus und vor allem bei Francis Bacon und seinen wissenschaftstheoretischen Überlegungen zu den modernen Wissenschaften.

In den Auseinandersetzungen zum Universalienproblem sind hier die nominalistischen Vertreter zu finden, d.h. die Ansicht, dass Allgemeinbegriffe bloße Konstruktionen sind. Diesen skeptischen Ansätzen ist eigentümlich, dass sie sich auf Basis eines schwachen, bei der Sprache ansetzenden Reflexionsbegriffs sowohl gegen die klassische Metaphysik als auch gegen neuzeitliche bewusstseinstheoretische Ansätze wenden. Das Realitätsproblem lösen diese Konzeptionen zumeist durch einen erkenntnistheoretischen Empirismus oder Naturalismus.

Im 20. Jahrhundert, beispielsweise im logischen Empirismus, kritischen Rationalismus oder im Erlanger Konstruktivismus, bestehen diese reduktiven bzw. negativen Einschätzungen der Metaphysik oder der Transzendentalphilosophie fort. An den Beginn der frühen Neuzeit wird aber auch der philosophische Wieder- und Neubegründungsversuch Descartes’ gesetzt, der ebenso wie der Kantische und die davon ausgehenden bewusstseinsphilosophischen Ansätze in der klassischen deutschen Philosophie einen transzendentalen Theoriezuschnitt hat.

Mit dem Beginn der Neuzeit entwickelt sich ein kritisch und epistemologisch fundiertes Grundlegungsdenken, das sich kritisch ebenfalls von der klassischen ontologischen Metaphysik als auch von den sprachphilosophischen Richtungen absetzt. Im Universalienproblem nehmen diese Vertreter einer transzendentalen Metaphysik eine Mittelposition ein, die den Allgemeinbegriffen sowohl einen konstruktiven als auch einen (gegenüber der Erfahrung) realen, d.h. apriorischen bzw. gesetzlichen Status zugesteht.

Diese Ansätze gehen im Allgemeinen von einer leistungsfähigen Epistemologie, sei es Reflexion, Begriff oder Anschauung, aus. Sie nutzen zumeist die rekursive Struktur des Selbstbewusstseins aus, um den starken Vernunftbegriff innerhalb von selbstbezüglichen, dialektischen Begründungsstrategien legitimieren zu können. Diesen Ansätzen gilt vor allem die Aufmerksamkeit des Netzwerks: Es soll systematisch erforscht und als eigenständige Position (auch unter Rekurs auf bestehende transzendentale Ansätze) in den aktuellen Diskurs eingebracht werden. Dies geschieht vor dem Hintergrund der Einschätzung, dass viele der gegenwärtig noch als jenseits der Leistungsgrenze der historischen Entwürfe liegend wahrgenommenen Problempunkte durch eine sachliche Reinterpretation bzw. systematische Revision in ein transzendentalphilosophisches Theoriedesign glücklich integriert und somit gelöst werden können. In der vorliegenden Klassifizierung fallen alle diejenigen Projekte und Arbeiten unter die Metaphysik, die ein systematisches Grundlegungsdenken bzw. Letztbegründungsprojekt verfolgen.

Ontologie

Als die Lehre über das Seiende als solches wird im Mittelalter und seit dem 17. Jahrhundert die Ontologie durch beispielsweise Glocenius (1547-1628) und Wolff systematisch und schulmäßig entwickelt. Das Sein (oder Gott) übernimmt innerhalb dieser Richtung eine Letztbegründungsfunktion: Jedes Seiende ist ein eines (unum), ein wahres (verum) und ein gutes (bonum), das in Gott seine Schöpfung und damit letzte Begründung erhält. – Sprachphilosophie/ Analytische Philosophie Es werden auch analytische Konzeptionen mit Grundlegungsanspruch vertreten: beispielsweise der Ansatz von Quine (1908-2000). Diese verfolgen zumeist ein naturalistisches oder positivistisches Programm und versuchen sich vor allem durch eine durchgreifende Metaphysikkritik als allein übrig bleibende Position zu qualifizieren. – Transzendentalphilosophie Mit dem Begin der Neuzeit wurde durch die kritische Reflexion auf die Erkenntnis- und Handlungsvermögen der wichtige Schritt der transzendentalen Philosophie vorbereitet, das Bewusstsein als den eigentlichen Ort der für den Menschen bedeutsamen Wirklichkeit in den Mittelpunkt des philosophischen Interesses zu rücken. Innerhalb des Bewusstseins werden gesetzliche Strukturen desselben untersucht, die grundsätzlich apriorisch der Erfahrung, aber auch dem subjektiven Reflexionsvollzug voraus liegen.

2. Ansätze und Positionen der Transzendentalphilosophie

Die Transzendentalphilosophie kritisiert an der Ontologie den unreflektierten Ausgang vom faktischen Sein und macht demgegenüber die grundsätzliche Relativität des Seienden zum Bewusstsein geltend. Die klassische Widerlegung ontologischer Versuche eines Gottesbeweises bzw. kosmologischer Theorien findet man beispielsweise in der transzendentalen Dialektik von Kants (1724-1804) Kritik der reinen Ver-nunft (1781). Hat die traditionelle Ontologie das Sein als Grundprinzip der Wirklichkeit aufgefasst, zielt das transzendentalphilosophische Projekt im Sinne einer erkenntniskritisch sich begründenden prima philosophia auf die Rechtfertigung (de iure) jener Bedingungen der Möglichkeiten, dass überhaupt eine faktische Realität (de facto) bzw. ein Sein für uns Menschen ist. Dieser Begründungsanspruch bezieht bisweilen sich (z.B. bei Fichte) selbst noch auf die veranschlagte Methode und Tätigkeit des Begründens selbst. Der begründungstheoretische Anspruch der Transzendentalphilosophie geht damit über die deskriptiven Ansätze der Phänomenologie, der philosophischen Hermeneutik, der philosophischen Anthropologie und der analytischen Philosophie hinaus. Zentral erscheint dabei die wichtige Kompetenz des transzendentalphilosophischen Ansatzes, das Verhältnis von Faktizität und absoluter Geltung, d.h. das Feld logischer und epistemologischer wie auch normativer Geltungszusammenhänge, kritisch verwalten zu können, ohne die mögliche plurale Polyperspektivität der Wirklichkeit identitätstheoretisch einzuebnen.

3. Offene Diskussionen, Problempunkte, Dilemmata und Desiderate

Das Realitätsproblem

Nachdem Descartes (1596-1650) oder Kant (1724-1804) gezeigt haben, dass Realität nicht unabhängig vom Bewusstsein verhandelt werden kann, entsteht das Solipsismus bzw. Nihilismusproblem (F. H. Jacobi [1743-1819]). Indem die Realität einmal als absolute aufgegeben und in Wissen aufgelöst worden ist, bleibt die Realitäts- bzw. Geltungsproblematik für dieses Wissen selbst noch ungelöst. Die klassischen Entwürfe von Schelling (1775-1854), Hegel (1770-1831) und Husserl (1859-1938) behandeln die Realitätsproblematik entweder immanent oder klammern diese Frage aus. Das Realitätsproblem ist bei näherer Betrachtung eigentlich das maximal Selbstbegründungsproblem bewusstseinstheoretischer Ansätze. Der transzendentale Ansatz der Wissenschaftslehre Fichtes (1762-1814) verspricht hier eine Lösungsperspektive, indem seit 1804 zur Wissenschaftslehre die transzendentale Selbstbegründung und damit die Lösung des Realitätsproblems innerhalb des Wissens wesentlich zugehört.

Die Theodizee-Problematik
Das Einheit-Vielheit-Dilemma
Das Zufall- bzw. Kontingenz-Dilemma
Das Münchhausen-Trilemma
Das Problem des synthetischen A priori