Anthropologie in der Klassischen Deutschen Philosophie

Anthropologie in der Klassischen Deutschen Philosophie

Häufig wird die These vertreten, dass in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der Epoche der Klassischen Deutschen Philosophie, die Lehre vom Menschen von untergeordneter Bedeutung gewesen sei. Als Beleg dafür wird angeführt, dass von den Philosophen dieser Zeit kaum ein ausgearbeitetes Werk mit dem Titel ‚Anthropologie’ existiere. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hingegen – so die Vertreter dieser These – habe eine radikale Wende in der Geschichte der Philosophie stattgefunden: Die Philosophen wandten sich von den für die Klassische Deutsche Philosophie charakteristischen Systementwürfen ab und rückten stattdessen den Menschen ins Zentrum ihres Denkens. Noch nie zuvor, das ist die Behauptung, sei sich der Mensch so problematisch gewesen wie in der Zeit nach Fichte, Schelling, Hegel und Co.

Der Tagung liegt die Annahme zugrunde, dass in der Klassischen Deutschen Philosophie der Mensch sehr wohl im Mittelpunkt philosophischer Überlegungen stand. Man denke nur an Kants berühmte vierte Frage „Was ist der Mensch?“, in der alle anderen Fragen der Philosophie – „Was kann ich wissen?“, „Was soll ich tun?“ und „Was darf ich hoffen?“ – zusammenlaufen. Für Kant fundiert die Anthropologie letztlich die ganze Philosophie. Des Weiteren wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer neue Kenntnisse sowohl über die menschliche Biologie, Anatomie und Physiologie als auch über fremde Völker, Sprachen und Sitten gewonnen. Diese neu gewonnenen empirischen Kenntnisse wurden von Kant und seinen Nachfolgern interessiert aufgegriffen und philosophisch verarbeitet. Auf die Frage, wie der Mensch zu bestimmen sei, erhalten wir von ihnen die unterschiedlichsten Antworten, die sich im Rahmen von Natur, Kultur, Gesellschaft, Kunst und Religion bewegen. Ziel der Tagung ist es, die vielfältigen Ansätze von Kant, Herder, Fichte, Schelling, Hegel, Schopenhauer, Feuerbach etc. zu der Frage nach dem Wesen des Menschen zusammenzutragen und zu diskutieren. Erwünscht sind nicht nur Beiträge zu den Vertretern der Klassischen Deutschen Philosophie, sondern auch der frühen Neuzeit (Descartes, Spinoza, Leibniz etc.), die nachhaltig auf das Menschenbild der Deutschen Idealisten Einfluss nahmen, der Moderne (Kierkegaard, Nietzsche, Dilthey etc.) und der Anthropologie (Scheler, Plessner, Gehlen, Cassirer etc.), die nach einer neuen Orientierung des Menschen suchten.

Interessenten werden gebeten, bis zum 01. November 2017 einen Vortragstitel und ein kurzes sowie aussagekräftiges Abstract an die Email-Adresse eschneider@notpartofaddress.a-priori.eu zu senden. Für die Vorträge ist eine Länge von 30 Minuten vorgesehen, damit genügend Zeit für eine anschließende Diskussion bleibt.

Laufzeit: 7.06.2017 - 24.02.2018
Zeiten: 22.-23. Februar 2018
Ort: Technische Universität Berlin