Inferenz und Erfahrung: Bausteine für eine neue Theorie der Zeit-wahrnehmung

Inferenz und Erfahrung: Bausteine für eine neue Theorie der Zeitwahrnehmung

Habilitation Dr. Teresa Pedro

Ausgangspunkt ist der scharfe Gegensatz zwischen Theorien der Zeitwahrnehmung, deren Vertreter den inferentiellen und konstruktiven Charakter der Wahrnehmung betonen, und solchen Theorien, deren Befür-worter eine direkte Erfahrung der Zeit postulieren (wie die Vertreter der ak-tuellen „mirroring theory“). Ziel meines Vorhabens ist es, eine Theorie der Zeitwahrnehmung zu erarbeiten, die einerseits den inferentiellen Aspekten der Zeitwahrnehmung Rechnung trägt, ohne dabei andererseits alle zeitlichen Verhältnisse auf eine reine Konstruktion zu reduzieren. In dieser Hinsicht bietet besonders die Zeitwahrnehmung im Film ein verheißungsvolles Unter-suchungsfeld. Denn unsere Zeitwahrnehmung in Filmen zeichnet sich dadurch aus, dass die repräsentierte Zeit in filmischen Bildern und die Zeit-lichkeit des Wahrnehmens auseinanderfallen: Beispielsweise kann die Simul-taneität zwischen zwei oder mehreren Handlungen durch Parallelmontage re-präsentiert werden, wobei diese Simultaneität paradoxerweise durch eine Ab-folge von Bildern, d. h. durch die Wahrnehmung von Sukzessivität, darge-stellt wird. Dies spricht für eine konstruktivistische Erklärung der Zeitwahr-nehmung. Andererseits folgt diese Konstruktion bestimmten Regeln, die vom visuellen Input und damit von direkten Sinneseindrücken abhängen.

Laufzeit: 1.01.2011 - 1.01.2011