Bildungsprozess bei Hegel und Fichte

›Je heller die Einzelnen, desto erhellter das Ganze’ – Der Bildungsprozess des Individuums als Ermöglichung von Freiheit in G.W.F. Hegels ‘Phänomenologie des Geistes‹ und bei J.G. Fichte

Magister / Master / Diplom Simon Helling, M.A.

Den titelgebenden Ausspruch, den Adorno in der ›Theorie der Halbbildung‹ der aufklärerischen Bildungstheorie in den Mund legt, kann doppelt verstanden werden: Entweder erhellt sich das Ganze für das Individuum, ihm wird Freiheit durch seine Bildung ermöglicht. Stand ihm das Ganze vorher undurchsichtig gegenüber, so begreift es jetzt dessen Struktur und seinen Platz darin. Oder das Individuum ist das Aktivum der Erhellung, das Ganze war vorher auch an sich dunkel und je mehr die Individuen sich ihrer selbst bewusst wurden, desto erhellter wird auch die durch sie begründete Wirklichkeit. Es ermöglicht so durch seine Bildung Freiheit nicht nur für sich, sondern auch für andere. Mit Hegel und Fichte sind diese Aspekte zu verdeutlichen: Im hegelschen System ist der zu lernende Inhalt als das System selber vorhanden, das beansprucht, die wissenschaftliche Darstellung der vernünftigen Wirklichkeit bzw. des wirklichen Vernünftigen zu sein. Die Reflexion dieses Substantiellen ist vom Individuum nachzuvollziehen und es kann dies, weil sich die Substanz durch das Individuum selbst in sich reflektiert. Die fichtesche Wissenschaftslehre nimmt hingegen vom individuellen Menschen bzw. einem „endlichen vernünftigen Wesen“ ihren Ausgangspunkt. Von dort aus werden dessen Bedingungen mittels einer transzendentalen Deduktion erschlossen, also die Bedingungen der Möglichkeit dieses Wesens und seines Handelns ausgemacht. In besonderer Weise werden andere Menschen als eine solche Bedingung erschlossen.

Laufzeit: 30.11.1999 - 30.11.1999