ANTHROPOFAKTE. Schnittstelle Mensch

Anthropofakte. Schnittstelle Mensch. Kompensation, Extension und Optimierung durch Artefakte. Verbundprojekt des Deutschen Hygiene-Museums (DHMD) und der Technischen Universität Berlin.

Wissenschaftliches Projekt Prof. Dr. Christoph Asmuth, Susanne Roeßiger, Deutsches Hygiene-Museum Dresden, PD Dr. Sybilla Nikolow, TU Berlin, Dr. Tatjana Noemi Tömmel, TU Berlin, Dr. Annika Wellmann-Stühring, Deutsches Hygiene-Museum Dresden, Eva Schneider, M.A., TU Berlin, Simon Gabriel Neuffer, M. A., TU Berlin

Kaum ein Ding hat ein derartig hohes Aussagepotential für Norm- und Wunschvorstellungen einer Gesellschaft und deren Innovationspotentiale wie die Prothese. Sie hat einen großen und zugleich ambivalenten politischen und symbolischen Wert und spiegelt technische Innovationen. Körperersatzteile sind einerseits eingebettet in einen Prozess der Überwindung von Behinderung, Verletzung, Verkrüppelung und dokumentieren und verfestigen andererseits Leistungs- und Normierungserwartungen von Gesellschaft und Kultur. Prothesen sollen – unter den konkreten technischen Bedingungen eines Artefakts – als Mangel empfundene körperliche Erscheinungen gesellschaftskonform machen oder wünschenswerte Fähigkeiten verstärken oder sogar zuallererst entwickeln.

Um dieser Ambivalenz wissenschaftlich gerecht zu werden, muss eine transdisziplinäre und fächerübergreifende Vorgehensweise gewählt werden – unter konsequenter Einbeziehung musealer auratischer Objekte. Ein Verbund aus Universität und Museum wird mit und im Museum allgemeine kulturelle, medizinische, gesellschaftliche, soziale und politische Zusammenhänge dechiffrieren und die Ergebnisse in gesellschaftlich relevantes Wissen transformieren. Dazu dient die bundesweit qualitativ und quantitativ herausragende Sammlung des Deutschen Hygiene-Museums Dresden (DHMD) zur Körpergeschichte.

Das Projekt erforscht die Schnittstelle zwischen Körper und Technik. Es verbindet durch eine transdisziplinäre Methodik Fragen der Kultur-, Körper- und Technikgeschichte sowie der Philosophie und Anthropologie mit den sozialen, politischen und kulturellen Körperbildern und der Körperwahrnehmung.

Das Projekt reflektiert den historischen Wandel und die kulturellen Implikationen der Beziehung von Mensch und technischem Artefakt. Dabei stehen die Grenzen des menschlichen Körpers, die gesellschaftliche Normierung von Körperbildern, das Problem der Natürlichkeit und die Frage einer Hybridisierung des Menschen im Fokus. Erforscht wird, wie sich in konkreten Objekten gesellschaftlicher und kultureller Wandel sowie Innovation und Interaktion von Mensch und Technik ausdrücken. Vor dem Hintergrund der neuen technologischen Möglichkeiten und der zu erwartenden Entwicklungen der Genetik, der Transplantation und der regenerativen Medizin richtet das transdisziplinäre Forschungsvorhaben den Blick in die Zukunft und fragt, ob sich die Grenzen zwischen Körpereigenem und Körperfremdem in der Gegenwart aufheben und welche Konsequenzen dies haben kann.

Das Projekt wird mit zahlreichen namhaften Forschern, wichtigen Multiplikatoren und orthopädietechnischen Unternehmen zusammenarbeiten. Die Ergebnisse werden durch Tagungen, Publikationen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Laufzeit: 1.08.2013 - 1.08.2016
Förderung: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Programm: Die Sprache der Objekte - Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen.