Ästhetisches Wissen: Zwischen Sinnlichkeit und Begriff

XI. Arbeitstagung des Forschungsnetzwerks Transzendentalphilosophie / Deutscher Idealismus Ästhetisches Wissen: Zwischen Sinnlichkeit und Begriff

Tagung Prof. Dr. Christoph Asmuth, Peter Remmers

Ästhetik im Sinne ihres »Erfinders« Alexander Gottlieb Baumgarten ist die Lehre von der sinnlichen Erkenntnis. Obwohl Baumgarten das Verdienst zukommt, im Bereich der Künste die systematische Bedeutung der Sinnlichkeit für Erkenntnisprozesse herausgestellt zu haben, unterschied er dennoch streng zwischen unteren (sinnlichen) und oberen (begrifflichen) Erkenntnisvermögen. Diese Trennung wird spätestens mit Kants Kritik der Urteilskraft und den Systementwürfen der klassischen deutschen Philosophie zum Problem. Theoriestücke wie das freie Spiel der Erkenntniskräfte, die Rolle der Einbildungskraft oder das sinnliche Scheinen der Idee (Hegel) weisen auf ein zumindest komplexes Verhältnis hin, an das sich grundlegende Fragen anknüpfen. Welchen Status hat die Unterscheidung zwischen Sinnlichkeit und Begriff? Wie kann so etwas wie sinnliche, nicht-begriffliche Erkenntnis oder eine »ästhetische Idee« (Kant) gedacht werden, wenn doch zugleich eine strikte Grenze gezogen wird? Oder ist es ein Fehler, von einer ursprünglichen Trennung beider Bereiche auszugehen, durch die es erst zum Problem wird, beide zusammenzudenken? Aber verschwindet nicht ohne eine solche Grenzziehung der Unterschied zwischen Kunst und Wissenschaft? Macht es Sinn, von einer spezifisch ästhetischen Wissensform zu sprechen?

Die XI. Netzwerktagung thematisiert das Verhältnis von Sinnlichem und Begrifflichem in ästhetischen Wissensformen sowie die damit verbundenen Wechselspiele. Klassische Positionen werden mit aktuellen Entwicklungen der Forschung wie beispielsweise in der Phänomenologie verbunden. Das Blickfeld wird zudem auf wichtige Aspekte zeitgenössischer Ästhetik gelenkt: Die traditionelle Orientierung am Sehen wird auf andere Sinne wie z.B. auf das Hören ausgeweitet; berücksichtigt werden außerdem neue Entwicklungen in den Künsten, wie etwa im Film. Ziel ist eine Bestimmung der durch ästhetische Phänomene konstituierten Wissensformen mit dem Anspruch, die klassische deutsche Philosophie für den aktuellen Stand der Ästhetik, der Künste und der Erkenntnistheorie fruchtbar zu machen und umgekehrt.

Laufzeit: 24.09.2012 - 23.02.2013
Zeiten: 20.-22. Februar 2013
Ort: Technische Universität Berlin