Im Grunde die Wahrheit: Bild und Reflexion in Frühromantik und Philosophie

Im Grunde die Wahrheit: Bild und Reflexion in Frühromantik und Philosophie

Die Schelling-Forschungsstelle Berlin führt im Rahmen ihrer Vortragsreihe am 19. Juni 2012 am Institut für Philosophie der Humboldt-Universität ein Deutsch-amerikanisches Kolloquium zum Thema: Im Grunde die Wahrheit: Bild und Reflexion in Frühromantik und Philosophie durch.
In den Beiträgen geht es um die Herausarbeitung der Vermittlungsrolle des Bildes für die Philosophie, die ihren theoretischen Anspruch in der Wahrheit postuliert. Die abstrakte Wahrheit und die Erkenntniskraft des Bildes sind nur dann eine Einheit, wenn sie intellektual vermittelt werden, d.h. durch Anschauung. Die intellektuale Anschauung ist rezeptiv bezogen auf die Sinnlichkeit und produktiv bezogen auf den Begriff. Die Einbildungskraft des Menschen ist das menschliche Kunstvermögen in uns, das darauf beruht, ein allgemeines Bild des Gegenstandes zu entwerfen. „Bild“ in diesem philosophischen Zusammenhang steht nicht für das gemalte Bild in der Kunst, sondern verweist als Metapher auf ontologische Prinzipien, die uns spiegelbildlich den Grund der Wahrheit offenbaren und so letztendlich das Bild unserer Welt nicht identisch, jedoch reflexiv zu Bewusstsein bringen. Weil sich zwischen Ur-Bild und Abbild keine Identität herstellen kann, bleibt die Philosophie „im Grunde“ und das Kunstwerk wird „göttlich“, weil es den philosophischen Begriff im Bild zur Anschauung bringt. Das Spannungsverhältnis zwischen Abbild und Nachbild führt zu unterschiedlichen Problemlösungen, die in den Beiträgen der Tagung diskutiert werden.
William Davis untersucht Hölderlins Begriff des Lebendigen mit Schellings Weltseele. Arne Zerbst vergleicht die Kunstgeschichte mit Schellings spekulativer Kunsttheorie, indem er das Bild der Reflexion entgegensetzt und das Produktive darin aufweist. Für ihn stellt Schelling den ersten Versuch in der Ästhetik dar, eine wechselseitige Durchdringung von Philosophie und kunsthistorischer Darstellung zu vollbringen. Christoph Binkelmann widmet sich in seinem Beitrag Salomon Maimon, einem weniger diskutierten Philosophen der Philosophiegeschichte. Er zeigt, wie sich bei Maimon die Einbildungskraft in ein Vermögen der Ideen umbildet und das Bild zum phänomenalen Ausdruck der Erscheinung wird. Damit gewinnt er eine kritische Position in der Fortführung der Transzendentalphilosophie. Steffen Dietzsch weist auf, wie sich das „ächte Denken“ bei Novalis entwickelt. Es ist für ihn sowohl das Bild als auch das Bilden und vermittelt uns somit die Wirklichkeit als einen Gehalt von Etwas, das einen intelligiblen und realen Grund des Erkennens verkörpert. Dieser Gehalt führt uns zu Christoph Asmuth, der in seinem Beitrag zu Fichtes Philosophie das Verhältnis vom „Bild des Bildes“ konstruktivistisch auflöst.
Die Forschungsbeiträge werden in den Berliner Schelling Studien im nächsten Jahr publiziert. Die Reihe wird seit 2000 in Berlin herausgegeben. Sie stellt die philosophische Forschungsarbeit der Schelling-Forschungsstelle Berlin repräsentativ dar. Im Juni erscheint Band 10, der sich inhaltlich dem Verhältnis von Philosophie zur medizinischen Romantik widmet.

Laufzeit: 1.06.2012 - 19.06.2012
Zeiten: 19.6.2012 10-18 Uhr
Ort: Humboldt-Universität Berlin, Unter den Linden 6, Raum 3119