Zweck und Zweckmäßigkeit

Teleologie nach Kants Kritik

Tagung Prof. Dr. Christoph Asmuth, Simon Gabriel Neuffer

»Die höchste formale Einheit, welche allein auf Vernunftbegriffen beruht, ist die zweckmäßige Einheit der Dinge.« Mit diesen Worten setzt Kant bereits in seiner ersten Kritik dem zuvor entwickelten Kausalitätsbegriff, einen starken Begriff vom Zweck entgegen. Zugleich aber ist offensichtlich, daß nach der subjektiven Wende der Kritik der reinen Vernunft neue Voraussetzungen für das teleologische Denken gelten: An die Stelle eines äußeren Kriteriums für die zweckmäßige Einheit der Natur muß nun ein immanentes treten, nämlich die Beschaffenheit des Subjektes selbst.

In der Kritik der Urteilskraft werden durch den Begriff der Zweckmäßigkeit zugleich neue Themenfelder erschlossen und systematische Ziele verfolgt: Das Schöne als »Zweckmäßigkeit ohne Zweck«, das Gefühl des Erhabenen dessen Grund uns »zweckwidrig« erscheint und die Welt des Organischen, die uns ohne den Begriff der Zweckmäßigkeit unbegreiflich ist, treten als neue Themen in das Feld der Kritik. Zugleich dient der Begriff der Zweckmäßigkeit aber auch dazu, das Verhältnis von Verstandes- und Vernunfterkenntnis aus einer systematischen Perspektive darzustellen: Denn Kant gilt das heuristische Prinzip, die Welt anzuschauen, als ob sie ein zweckmäßiges Ganzes wäre, als eine Bedingung von Erkenntnis überhaupt. Die Vernunft erkennt sich letztlich in diesem Prinzip subjektiver Zweckmäßigkeit selbst und wird dergestalt auf ihren höchsten objektiven Zweck, die Moral, verwiesen. Ein fast unüberschaubares Themenfeld tut sich also durchzogen vom Begriffe der Zweckmäßigkeit in der Kritik der Urteilskraft auf.

Wie in den meisten anderen Gebieten der Philosophie setzt Kant mit seiner dritten Kritik auch in der Teleologie einen Meilenstein, an dem bis heute nur schwerlich ein Weg vorbeiführt. In diesem Sinne soll das teleologische Denken in der Kritik der Urteilkraft, auch der diesjährigen Tagung des Forschungsnetzwerks »Transzendentalphilosophie/Deutscher Idealismus« als Leitfaden dienen. Ausgehend von der Philosophie Kants soll auch Raum für Reflexionen über das teleolo-gische Denken überhaupt geboten werden: Ob heute das Zweckdenken noch tauglich sei, das Verhältnis verschiedener Wissensbereiche zueinander aufzuklären, den Lebensbegriff verständlich zu machen und über das Schöne, über Kunst und Moral zu sprechen, dieser Fragen will sich die Tagung annehmen. Theologie, Geschichtsphilosophie und Hermeneutik können ebenfalls im Blickwinkel der Teleologie betrachtet werden; genauso soll die Tagung der Frage dienen, inwieweit die Begriffe von Zweck und Zweckmäßigkeit auch heute noch brauchbar sind, um systematisch zu denken. Alle Interessenten sind gebeten, bis zum Ende des Monats Dezember einen Vortragstitel nebst einigen aussagekräftigen Zeilen zu ihrem Vortragsvorhaben an die unten angegebene E-Mailadresse zu senden. Die Vorträge sollten die Länge von 30 Minuten nicht überschreiten, damit genügend Zeit für eine anschließende Diskussion bleibt.

Kontakt: http://www.simon-neuffer.de/kontakt

Laufzeit: 30.11.2011 - 24.02.2012
Zeiten: 23. bis 24. Februar 2012
Ort: Technische Universität Berlin