Die logische Frage im deutschen Idealismus

Die logische Frage im deutschen Idealismus

Tagung Dr. Guillaume Lejeune, Marc Peeters (Brüssel), Marc Maesschalck (Louvain-la-neuve), Guillaume Lejeune (Brüssel)

Die logische Frage im deutschen Idealismus

Kants Unterscheidung zwischen transzendentaler und formaler Logik zieht das Problem nach sich, dass sie einerseits eine Relativierung der traditionellen Logik bedeutet, andererseits aber die klassische Logik als Kanon der transzendentalen Logik beibehält.
Historisch gesehen führt diese Schwierigkeit zu der Frage nach dem Status der Logik, wie sie von Trendelenburg gestellt wird: Wie lassen sich – gegen Kant – Inhalt und Form zusammen denken und gleichzeitig Formalismus (Herbart) und Dogmatismus (Hegel) vermeiden?
Diese von Kant hervorgerufene und durch Trendelenburg formulierte „logische Frage“ zieht sich durch den gesamten Deutschen Idealismus. So kritisiert Fichte den Formalismus der Logik zugunsten der natürlichen Sprache. Diese Haltung verstärkt sich bei den Frühromantikern und mündet bei Schelling in der Zurückweisung des Logos zugunsten der Mythologie. Ihr liegt die Idee zugrunde, dass der Formalismus der Logik unpassend ist, um das Leben zu erkennen und auszudrücken. Die Natursprache scheint für eine solche Anforderung hingegen besser geeignet.
Aber auch die Betonung der Natursprache zieht Vorbehalte nach sich: Fichte stellt sich gegen die Metakritik (Hamann und Herder) und deren Nachfolger (Jacobi, Reinhold, Jean-Paul). Hegel versucht hingegen, den metakritischen Relativismus zu nuancieren: Die Logik des Sinnes liegt zwar in der Sprache; sie ist aber nicht die Sprache. So rehabilitiert Hegel den Begriff der Logik, indem er ihm einen neuen Sinn verleiht: den Sinn einer Inhaltslogik. Die Bedeutung einer Inhaltslogik ist zwar bereits in der transzendentalen Logik angelegt, bleibt aber im Gegensatz zu dieser unabhängig von der klassischen Logik – im Besonderen bezüglich des Problems des Widerspruchs. Jenes Problem des Widerspruchs erscheint in dieser Zeit als der Mittelpunkt einer nicht-formalen Logik. Man findet es in den kantischen Antinomien, der schlegelschen Polemik, dem schleiermacherschen Widerstreit, Fichtes Nicht-Ich usw.
Diese unterschiedlichen Problematiken stellen miteinander verwandte Möglichkeiten dar, das Problem der Logik zu adressieren. Ihre kritische „Konstellation“ bleibt jedoch oft unbeachtet, da man nur eine einseitige Zurückweisung der formalen Logik durch den deutschen Idealismus konstatiert, ohne die damit einhergehenden Spannungen und Fragen offen zu legen. Gegenstand unserer Tagung ist es daher, „die logische Frage im deutschen Idealismus“ unter neuen Gesichtspunkten zu betrachten, welche sowohl die Frage nach dem Sinn der Logik als auch nach der Logik des Sinns umfasst.

Das Zentrum für formale Ontologie und Entwicklungslogik (Brüssel) organisiert in Zusammenarbeit mit Professor Marc Maesschalck (Louvain-la-neuve) im April 2011 (vom 7. bis 9.) zum oben genannten Thema eine Tagung in Brüssel. Sprachen der Tagung: Französisch, Deutsch und Englisch.
Kontakt : glejeune@notpartofaddress.ulb.ac.be

Organisationskomitee:
Marc Peeters (Brüssel)
Marc Maesschalck (Louvain-la-neuve)
Guillaume Lejeune (Brüssel)
Wissenschaftliches Komitee:
Christoph Asmuth (TU-Berlin)
Bernard Mabille (CRHIA, Poitiers)
Marc Maesschalck (UCL, FUSL)
Marc Peeters (ULB)
Jean-Renaud Seba (ULG)
Laufzeit: 7.04.2011 - 9.04.2011
Zeiten: Wird noch bekannt gegeben.
Ort: Brüssel
Förderung: Zentrum für formale Ontologie und Entwicklungslogik (Brüssel)