Paradoxien im Denken des Selbst - CfP

Paradoxien im Denken des Selbst
– in der klassischen deutschen Philosophie und in der Gegenwart

Das Phänomen des Paradoxons ist seit jeher Bestandteil philosophischer Fragestellungen. Nicht nur in der antiken und klassischen Philosophie nimmt das Paradoxon eine Sonderstellung ein – wie ein roter Faden durchzieht die logische Figur auch in ihrer Form als Aporie und Antinomie die Denkgeschichte bis in die Gegenwart.

Für die bevorstehende Tagung des Forschungsnetzwerks Transzendentalphilosophie/Deutscher Idealismus soll vor allem die Frage nach dem Selbstbewusstsein und dem Denken des Subjekts als Selbst, wie sie in der klassischen Philosophie des 18. und 19. Jahrhunderts besondere Bedeutung erhält, von Interesse sein. Es gilt, diese Gedankenfigur mit gegenwärtigen Problemstellungen zu verknüpfen, zu kritisieren, zu transzendieren oder gar zu transformieren. Ob Kants Antinomienlehre, Fichtes Grundlegung des sich selbst setzenden Ich, Hegels Formel von der Identität als Identität und Differenz, – das Denken in Systemen, der Anspruch des Absoluten verlangt geradezu nach dem gedanklichen Aushalten von Widersprüchen.

Ein Selbstbewusstsein, welches sich selbst zum Gegenstand macht, kann im Post-Nietzscheanischen Subjektbegriff nur noch als Paradoxie gedacht werden. Diese Aporie, als Folge der Negation von Selbstbezüglichkeit hat ihren Ursprung in einem bürgerlichen Subjektbegriff, welcher unter den Bedingungen heutigen Welt- und Selbstverständnisses einer Reformulierung bedarf. Zahllose Probleme des gegenwärtigen Denkens hängen an der Frage nach dem Selbst, seiner Konstitution und Kondition in der (Post-)Moderne. Welche methodischen Gemeinsamkeiten und Differenzen, welche konkreten und praktischen Konsequenzen gibt es für die im Gegensatz vereinten Subjektbegriffe?

Zeitgenössische Ansätze aus Ethik, politischer Theorie und Geschichtsphilosophie verdeutlichen die Dringlichkeit eines solchen Unternehmens: Der Umgang mit dem Nullpunkt des Subjekts erfordert enorme Flexibilität im Denken und die Akzeptanz des Widerspruchs bezogen auf tradierte Wissensbegriffe.

Um diesem weitreichenden Problem nachzugehen, bitten wir um virtuose und eloquente Wortbeiträge für eine maximale Dauer von 30 Minuten. Wie immer bestimmen die Interessen der Vortragenden das Programm, daher sollte ein aussagekräftiger Titel bis zum 30. November 2009 bei folgender Adresse eingereicht sein: wrogge@notpartofaddress.a-priori.eu

Laufzeit: 18.02.2010 - 20.02.2010
Ort: Technische Universität Berlin