Geld

Das liebe Geld. Zahlungsmittel oder Lebenszweck?

Wir alle kennen Geld. Die meisten wohl, weil sie davon zu wenig haben. Aber die wenigsten wissen genau, was Geld ist und wie es funktioniert. Wie kann sich Geld vermehren, wie vernichtet werden?
Geld ist ein klassisches Thema der Moderne, aber ein Thema, um das es in der Philoso-phie still geworden ist. Man erinnert sich der Entwürfe bei Karl Marx, Georg Simmel, Ferdinand Tönnies und Alfred Sohn-Rethel, mancher Philosoph kennt auch die Arbeiten von Ludwig von Mises, Friedrich August von Hayek oder John Maynard Keynes. Die meisten sind indes der schlichten Auffassung, Geld bestehe darin, dass man es nie ausreichend hat. Und damit haben sie recht. Allerdings ist Geld nicht nur deshalb interessant, weil es fehlt.
Dass Geld ein (Zwischen-)Tauschmittel ist, wusste bereits Heraklit, denn der stellte fest: „Für Feuer ist Gegentausch alles und Feuer für alles wie Geld für Gold und Gold für Geld.“ (Fr. 90; Übers. B. Snell) Tatsächlich beginnt mit diesen Überlegungen eine Parallelität, die die Philosophie brennend interessiert, nämlich die zwischen dem Geld und der Kommunikation. Im Geld zeigt sich eine ausgesprochen stabile Form von Rationalität, die im Tausch und im dazugehörigen Vertrag ihren Ausdruck findet. Geld ist offensichtlich ein Zeichen, das dem Tausch dient. Interessant ist dabei, dass dieses Zeichen „Geld“ in der Moderne zusehends seine Deckung durch materielle Wertbestände wie Silber und Gold verliert. So lässt Goethe den Kanzler im Faust II im Ersten Akt sprechen:
„Beglückt genug in meinen alten Ta-gen. – / So hört und schaut das schicksalsschwere Blatt, / Das alles Weh in Wohl verwandelt hat. / er liest / ‚Zu wissen sei es jedem ders begehrt: / Der Zettel hier ist tausend Kronen wert. / Ihm liegt gesichert als gewisses Pfand / Unzahl vergrabnen Guts im Kaiserland.’“ Es entsteht ein Zeichen, das auf Nichts referiert – und auf Alles und das trotzdem oder gerade deswegen universal eingesetzt werden kann. Durch die Digitalisierung des Bankwesens und durch die Globalisierung der Finanzwelt ist das Geld heute nicht nur flüchtiger als je zuvor, sondern zugleich nahezu immateriell. Dies ist zunächst in theoretischer Hinsicht ein bedenkenswertes Faktum. Auch wenn Goethe, mit wirtschaftlichen Dingen keineswegs unvertraut, zutiefst skeptisch auf das ungedeckte Papiergeld blickte, so ist es aus unserer heutigen Welt nicht wegzudenken. Aber auch in praktischer Hinsicht lässt sich über das Geld nachdenken. Nicht erst die Finanzkrise und der drohende Zusammenbruch des Bankensystems machten deutlich, dass mit dem ubiquitären Geld selbstverständlich auch normative Probleme verbunden sind. Aus der Neutralität des Tauschmittels folgt keineswegs, dass es auch normativ neutral ist. Umgekehrt: Die Neutralität des Geldes, das bekanntlich nicht stinkt, ist nachgerade ein Garant für dessen praktisch-normative Bedeutung.
Von den antiken Denkern bis in das Christentum wird die ungehemmte Akkumulation von Geld als moralisch und sozial hochproblematischer Prozess bewertet. Die Steigerungs- und Überbietungstendenzen sind historisch greifbar und an Knotenpunkten leicht zu rekonstruieren. Für die heutige Welt tritt sicher das Problem hinzu, dass das Geld sich zunehmend von seinem Besitzer emanzipiert. Wer weiß schon, was Banker genau mit den ihnen anvertrauten Anlagen tun. Mit einem Wort: Mit dem Geld ist zugleich die Frage der Gerechtigkeit und Verantwortung gestellt. Und gerade mit der Verbindung von Geld und Moral ergeben sich zahlreiche philosophische Probleme, die mit einer Forderung nach Umverteilung weder erledigt noch gelöst werden können. Hier sind nicht Meinungen gefragt, sondern eine vertiefende und kritische Betrachtung von Wirtschafts- und Finanzsystem unter philosophischer Perspektive.
Mit dem Thema Geld widmet sich der Sommerkurs am IUC Dubrovnik einem zentralen Problem der gegenwärtigen Gesellschaften. Die mit dem Geld verbundenen Probleme lassen sich nicht durch eine einzelne Disziplin, sei dies die Philosophie oder die Ökonomie, die Soziologie, die Geschichte oder auch die Theologie, klären.
Der diesjährige Sommerkurs ist daher transdisziplinär ausgerichtet. Neben der Philosophie sind daher alle Fächer eingeladen, sich am Sommerkurs zu beteiligen, alle Fächer, die ein Interesse an der philosophischen Vertiefung des Problems haben. Natürlich soll die kritische und selbstkritische Durchdringung des Themas im Mittelpunkt stehen. Wichtig ist es aber auch, ein Grundverständnis zu erwerben, wie Geld funktioniert.

Der Sommerkurs am IUC Dubrovnik richtet sich an Studierende und Doktoranden der Philosophie und anderer Fächer. Willkommen sind besonders Teilnehmer aus ganz Europa. Für deutsche Teilnehmer gibt es die Möglichkeit, ein Stipendium beim DAAD zu beantragen, das einen Großteil der Kosten deckt. Das DAAD-Stipendium sollte recht-zeitig, spätestens aber drei Monate vor dem Sommerkurs beantragt werden.
Darüber hinaus gibt es ein HESP-Stipen-dium für bestimmte Länder. Dazu gibt das IUC Dubrovnik folgende Informationen: The purpose of the HESP scholarship grants is to help the academic development and improve teaching skills for young scholars from selected former communist countries. Scholarships are available only for selected courses in the field of humanities and social sciences. Eligibility criteria: The applicants must be graduate (primarily Ph.D.) students or young faculty members, studying or teaching in the field of social sciences and humanities, under 40 years of age, nationals and permanent residents of one of the following countries: Albania, Armenia, Azerbaijan, Belarus, Bosnia & Herzegovina, Kosovo, Kyrgyzstan, Macedonia, Moldova, Montenegro, Republic of Georgia, Russia, Serbia and Ukraine.

Interessenten am Sommerkurs sollten nicht zögern, sich bei Christop Asmuth zu melden. Weitere Informationen, Literatur- und Themenhin-weise, Reisemodalitäten u. ä. können dann konkret geklärt werden.
Informationen zum Fachkursstipendium beim DAAD finden sich hier für Studierende und hier für Graduierte.

Kontakt:
Prof. Dr. Christoph Asmuth
Technische Universität Berlin
Institut für Philosophie
Straße des 17. Juni 135, H 72
10623 Berlin
chas@notpartofaddress.asmuth.ping.de

Laufzeit: 14.09.2009 - 18.09.2009
Ort: IUC, Dubrovnik
Förderung: DAAD