Die platonische Ideenlehre
Die platonische Ideenlehre und die Kritik des Aristoteles
Die Ideenlehre Platons gehört sicherlich zu den bekanntesten und auf den ersten Blick wunderlichsten Theorien, die jemals von Philosophen behauptet wurden. Sie hat nicht nur die Phantasie vieler Denker beflügelt, sondern die Kritik gerade der sog. Neuzeit auf sich konzentriert, sodass sie noch heute als Inbegriff einer unhaltbaren, leeren Metaphysik angesehen wird. Dabei wird Platon unterstellt, er behaupte eine Welt jenseits der erfahrbaren Welt. Zu dieser Annahme sei Platon aufgrund der Erkenntnis gelangt, dass es nichts Konstantes in der Erfahrung gäbe, stattdessen alles im Fluss sei und sich in stetiger Veränderung befinde. Das Ergebnis ist eine Empiriefeindlichkeit und Abgewandtheit von dieser Welt hin zu einer jenseitigen, die mit unserer Erfahrungswelt nichts gemein hat. Die ausgeführte Einschätzung unterstellt Platon eine märchenhafte Verdoppelung dieser Welt, die in ihrer Naivität heute kein naturwissenschaftlich geschulter Mensch mehr bereit ist zu teilen. In dem Seminar sollen die aufgezeigten Vorurteile an den Platonischen Texten überprüft werden. Dabei werden zum einen die Fragestellungen und Probleme sichtbar gemacht, die Platon zu seiner Theorie bewogen haben sowie die Grundannahmen der Ideenlehre anhand einer Auswahl der Primärtexte erarbeitet; zum anderen werden aber auch die Kritikpunkte, die Platon selbst - wie später Aristoteles - daran geäußert haben, thematisiert.


