Die Kantische Friedensschrift
Will die Natur den ewigen Frieden? Die Friedensschrift und andere Kantische Aufsätze
Noch vor wenig mehr als zehn Jahren ist in der Literatur zum Ewigen Frieden die optimistische Äußerung zu lesen gewesen, derzufolge ein allgemeiner Friedenszustand im Verhältnis der Staaten und Völker untereinander in den Bereich des real Möglichen gerückt sei. Das klingt für den heutigen Leser angesichts der weltpolitischen Situation wie eine Stimme aus einer fernen Vergangenheit. Der 1996 noch feststellbare Wille der Staatengemeinschaft, einen dauerhaften Frieden zu erreichen und so den kantischen Entwurf als eine „plausible Vorhersage“ erscheinen zu lassen, ist zwischenzeitlich dem Macht- und Gewinnstreben einzelner und ganzer Staaten zum Opfer gefallen. In Anbetracht einer solchen eher ernüchternden Bilanz stellt sich von Neuem die Frage, aufgrund welcher philosophischer Grundüberlegungen Kant zu der Theorie eines dauerhaften Friedens zwischen den Individuen und darauf folgend zwischen den Völkern gelangt ist? Wie sich zeigen wird, sind es die auch aus den kantischen Voraussetzungen sprechenden Annahmen zur menschlichen Natur und dem Verlauf der Geschichte überhaupt, die es erneut und kritisch zu hinterfragen gilt.


