Begreifen des Unbegreiflichen

»Das Begreifen des Unbegreiflichen. Philosophie und Religion bei J. G. Fichte 1800-1806«

Das Buch stellt Fichtes Anweisung zum seligen Leben in den größeren Zusammenhang der Wissenschaftslehre. Ausgangspunkt ist jedoch Fichtes Stellung zur Popularität in der Philosophie, eine Frage, die bereits seit dem 17. Jahrhundert intensiv diskutiert wurde. Wenn Fichte am Beginn des 19. Jahrhunderts Wissenschaft und Popularität, Wissen und Leben begrifflich unterscheidet, reagiert er daher auf eine traditionsreiche Fragestellung, die durch Kants Transzendentalphilosophie neue Brisanz bekommen hat. Damit sind zugleich zentrale Begriffe der Anweisung zum seligen Leben genannt. Die Anweisung teilt – nach Fichte – die Resultate der Philosophie, d. h. der Wissenschaftslehre, mit. Weil jedermann der Seligkeit teilhaftig werden soll, müssen die Resultate der Wissenschaftslehre populär sein können. Die Anweisung ist Religionslehre. Ihrer Selbsteinschätzung nach ist sie eine Interpretation des Johannes-Prologs; ihr Spezifikum ist die Theorie der Liebe. – Die Wissenschaftslehre Fichtes ist nach 1801 durch einen Wechsel der Terminologie gekennzeichnet. Zu den Präliminarien gehört daher die Reflexion auf die Sprache sowie auf den Begriff der Wissenschaftslehre, ein von Fichte eingeführtes Genre, das die Gehalte der Wissenschaftslehre bloß historisch aufzählt. Sie genetisch zu vollziehen gelingt erst dem nachdenkenden Durchdringen. – Die Auseinandersetzung zwischen Schelling und Fichte hört nicht mit dem Ende des wirklichen Gesprächs auf. Beide Philosophen beziehen sich aufeinander, kritisieren sich und bemühen sich, den eigenen Standpunkt als den höchsten auszuweisen. – Im Zentrum der Studie stehen die Anweisung zum seligen Leben sowie die Wissenschaftslehren der Jahre 1804/05. Ausgehend von einem historischen Problemstand, insbesondere von der kritischen Philosophie Kants, widmet sie sich dem systematischen Nachvollzug der Wissenschaftslehre, um schließlich durch die historische Situierung kritische Distanz zu ermöglichen. Gutachter der Dissertation waren Prof. Dr. B. Mojsisch (Bochum) und Prof. Dr. Gunter Scholtz (Bochum). Die Arbeit erschien 1999 im Verlag Frommann-Holzboog in der Reihe Spekulation und Erfahrung.

Laufzeit: 30.11.1999 - 30.11.1999