Moral - Wille - Leistung
Moral – Wille – Leistung: Philosophische Ansätze zur Bedeutung der Moral und des Willens im Sport
Sollte am Ende noch das Vorurteil bestehen, daß im Sport vor allem Körperkraft und Leistung im Mittelpunkt stehen? Am Beispiel des Leistungssports werden wir uns die Frage nach der Bedeu-tung des Willens und der Moral im Sport stellen, um zu verstehen, was den Menschen zum Sport treibt und welche kognitiven, moralischen und voluntativen Ansprüche er im Sport an sich selbst stellt bzw. stellen soll. Die Jahre der Qualen und Risiken, der Schmerzen und Entbehrungen, die hier wie selbstverständlich auf sich genommen werden, erträgt ein Sportler nicht, weil ihm das kurze Triumphgefühl des Weltmeisters winkt, das den Wenigsten gegönnt ist; oder weil man ihm sagt, daß er rauschhafte Endorphinausschüttungen im Hypothalamus erlebt: Erst wenn man Fra-gen der Moral und des Willens hinzuzieht, kann deutlicher werden, was am Sport eigentlich dran ist. Denn Begriffe wie »Leistung«, »Vervollkommnung«, »Glücksgefühle« (auch endorphinbeding-te), »Fairneß« u. a. m. sind ohne die wesentlichen willentlichen und moralischen Implikationen nicht zu verstehen. Was also macht den Sport zu diesem bedeutenden gesellschaftlichen Wert, was führt zu diesem allgemeinen Interesse und dieser Leistungsbereitschaft? These ist hier: Der Sport-ler wird bewundert oder verachtet für seine besondere Einstellung 1. zur Natur, 2. zu anderen und 3. zu sich selbst.
Im Blockseminar sollen diese drei grundlegenden, aber komplizierten praktischen Verhältnisse in ihrem Zusammenhang untersucht werden. Wir werden dazu neben Aktuellem (z.B. der Fall Bert Dietz) auch Beispiele aus der Geschichte des Sports und der Philosophie und vor allem die hand-lungs- und moralitätstheoretischen Überlegungen Immanuel Kants heranziehen, aufgrund welcher wir das Verhältnis von Moral, Wille und Leistung im Leben analysieren und zu klären versuchen werden. Das Seminarthema wendet sich explizit an Sportler und Sportwissenschaftler, die das Ver-hältnis von Sport, Wille und Leistung nicht nur theoretisch besser verstehen, sondern durch philo-sophische Denkarbeit auch im eigenen Leben besser bewältigen und integrieren lernen wollen: Wer teilnehmen möchte, sollte Leistungsbereitschaft nicht nur im Sport, sondern auch im Denken mitbringen, denn es könnte sich herausstellen, daß Leistung und Vervollkommnung vor allem eine Sache des Kopfes bzw. der Einstellung ist.


