Bildlichkeit. Theorie des Bildbegriffs

Bildlichkeit. Theorie des Bildbegriffs (Monographie) [1/3.1]

Monographie Prof. Dr. Christoph Asmuth

Bilder besitzen seit Menschengedenken eine ungeheure Attraktivität. Offensichtlich gelingt es dem Menschen mit seinen Bildern etwas herzustellen, das über das Wirkliche hinausgeht. Das Faktische, mit dem es der Mensch zu tun hat, weitet sich durch seine Bilder verfertigende und Bilder erkennende Fähigkeit. Es weitet sich über das Faktische hinaus bis zum Imaginären, in dem Gestalt gewinnt, was nicht faktisch ist, in dem Form annimmt, was kein Korrelat in der ‚Wirklichkeit’ besitzt. Gleichzeitig gefährden die Bilder das Wirkliche. Sie verstellen es, stellen es in Frage, unterwandern es. Das Imaginäre wird zu Beunruhigung. Die Präsenz des Fakti-schen und die Präsenz des Bildlichen gehen eine Allianz ein, und es entstehen Räume, die weder dem einen noch dem anderen Bereich klar zuzuordnen sind. Diese Ambivalenz scheint den Bildern immer schon zugekommen zu sein.

Die Philosophie der Gegenwart behandelt Bilder vornehmlich unter zwei Kategorien: unter der Kategorie des Zeichenbegriffs und unter der der ästhetischer Erfahrung. Beide Kategorien lassen sich aus prinzipiellen Gründen nicht zur Deckung bringen. Die Orientierung an der Bedeutung oder an der Wahrnehmung führt jeweils zu verschiedenen Konzepten der Bild-lichkeit. Es handelt sich um inkompatible Ansätze.

Die Theorie der Bildlichkeit, die ich entwickeln möchte, bedient sich einer transzendentalphilosophisch genetischen Methode. Das bedeutet, dass ich zunächst versuchen werde, ohne Rücksicht auf die Vielfalt wirklicher Bilder und Bildphänomene eine funktionale Begrifflichkeit aufzustellen. Der Nutzen dieser Methode liegt sowohl in ihrem klassifikatorischen Potenzial als auch in der Fähigkeit, das Phänomen des Bildlichen überhaupt zu erklären. Wichtige Ergebnisse werde daher die Abgrenzung von Bildern und Bildtypen betreffen. Es wird aber auch ein vertieftes Verständnis der Bildwerdung, Bildherstellung und der Bildinterpretation zu den Resultaten gehören. Die Korrelation der Begriffe Bild, Zeichen, Sprache soll grundlegend geklärt werden.